Vergissmeinnicht

Wer war eigentlich Johanne Lücke? – Tündern bei Hameln vor noch nicht allzu langer Zeit.
Johanne Lücke, hochbetagt, sitzt nachdenklich daheim in ihrem Stuhl: Was wird von ihr bleiben, wenn sie eines Tages kinderlos stirbt? Wer soll ihr Vermögen erben, da sie doch keine ihr nahe stehenden Verwandten hat? Sie hat ein tatkräftiges, selbstbewusstes Leben hinter sich, war berufstätig und fest in ihrer Gemeinde verankert. Und doch stellt sie sich die Frage nach den Spuren, die ihr Leben dereinst hinterlassen wird. Bekümmert sucht sie Trost in ihren Büchern, sinniert über das Gelesene.
Doch was geschieht? Plötzlich werden die Gestalten ihrer Lektüre lebendig, einzelne Frauengestalten stellen sich vor, fassen knapp ihr Lebensmotto zusammen. Wer sie sind? Rut, Miriam, Elisabeth von Tübingen, Hildegard von Bingen, Annette von Droste-Hülshoff und viele mehr. Allesamt jedenfalls Frauen, die sich in Zeiten behaupten mussten, in der die Männer beruflich und familiär das Sagen hatten und eine alleinstehende Frau nichts wert war. Und dennoch gelang es all diesen besonderen Frauen, dem Lauf der Geschichte ihre Spur aufzuprägen.
Johanne schreckt hoch – war das nur ein Traum? Egal: In Kopf und Gefühl bleiben ihr jedenfalls die Mut machenden Ratschläge ihrer Besucherinnen.
Und nun weiß sie auch, wie sie ihrem Vermögen über ihr Leben hinaus einen Sinn geben kann: Johanne beschließt, ihrer Gemeinde eine Stiftung zu schenken!

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops im August 2011 wurden die Grundlagen für dieses 30-minütige Theaterstück erarbeitet, bei dem die 11 theaterbegeisterten Akteurinnen sich ihre Rollen „auf den Leib schneiderten“. Gespielt wurde anlässlich der Jahreshauptversammlung der Johanne-Lücke-Stiftung, die dieses Projekt maßgeblich finanzierte.